Adler 80 C

Adler 80 C
Adler 80 C

Der deutsche Büromaschinenhersteller Triumph-Adler aus Nürnberg vertrieb in den 70er Jahren einige Taschenrechner, vermutlich Lizenzprodukte, teilweise unter dem Namen "Adler", teilweise unter dem Namen "Triumph".

Aus dieser Zeit, Mitte der 70er Jahre, stammt auch der hier vorgestellte Adler 80 C, ein sehr formschöner, eleganter, robuster, aber von der Rechenleistung her absolut einfacher Taschenrechner. Wie man an der rückseitigen Inventarnummer erkennen kann, wurden solche Rechner damals trotzdem für anspruchsvolle und repräsentative Aufgaben, beispielsweise in Banken, genutzt. Und nebenbei erwähnt, gehört der "Finkenzeller" in München auch nicht gerade zu den schlechtesten Adressen...


Rückseite
Rückseite

Gehäuse

Der Gehäuseaufbau und Design ist recht ungewöhnlich: Das kantige, unten und oben leicht gewölbte Plastikgehäuse wird an den Seiten und hinten von einem Alu-Deckel umschlossen. Schiebt man diesen Deckel nach oben, so gelangt man an das Batteriefach, in dem sich entweder vier Microzellen oder ein 4,8V-Akku befindet. Letzterer kann über die 2,5mm-Klinkenbuchse am unteren Gehäuserand geladen werden.


Rückseite mit abgenommenem Deckel
Rückseite mit abgenommenem Deckel

Wie üblich bei so alten Rechnern ist auch hier der Akku ein Schwachpunkt: Zwar ist er relativ gut versiegelt, aber sobald er durch längere Lagerung entladen ist, läuft er aus, verliert dabei fast seine komplette Kapazität und das auslaufende Elektrolyt schafft es auch in geringen Mengen, die Batteriekontakte zu beschädigen.

Der Akku selber stammt von Varta und bietet die aus heutiger Sicht kurios winzige Kapazität von 90mAh. Zum Vergleich dazu: Ein moderner NiMH-Akku in Microzellengröße bringt es inzwischen schon auf über 1000mAh.

Im Innern des Akkus befinden sich übrigens vier 1,2V-Zellen in Reihenschaltung. Wenn jede einzelne davon ausläuft, kann man sich vorstellen, was das für eine Sauerei ergibt.


Akku
Akku

geöffneter Akku
geöffneter Akku

Aufbau

Der Aufbau des Rechners ist recht modern, die CPU und Peripheriebauteile nehmen bereits deutlich weniger Platz in Anspruch, als bei Rechner, die nur ein oder zwei Jahre älter sind. Bedingt durch die geringen Maße des 80 C und die vorherrschende Enge im Inneren ist es nur sehr schwierig, an die CPU zu kommen, ohne die Tastatur dabei auszulöten.


Ansicht der CPU - soweit möglich
Ansicht der CPU - soweit möglich

Display

Auch die flache Anzeigeröhre mit ihrer an der Breitseite herausgeführten Kontaktreihe war seinerzeit der letzte Schrei und zudem sehr gut ablesbar und platzsparend zugleich. Wer will, kann ja mal einen Vergleich mit einer LED-Anzeige von 1975 anstellen - da liegen wirklich Welten dazwischen.


Seitenansicht Display
Seitenansicht Display

Die Tastatur selber ist von eher mäßiger Qualität: Die Tasten besitzen keinen Druckpunkt und hinterlassen beim Drücken ein eher schwammiges und unsicheres Gefühl. Die "x"-Taste hat bereits fast vollständig den Dienst quittiert. Eigentlich ein wenig schade, denn eine sonst doch wertig produzierter Rechner hätte eine bessere Tastatur verdient.


Innenansicht
Innenansicht

Rechenleistung

Die rechnerischen Leistungen des 80 C sind eher bescheiden, aber ausreichend für finanzielle Berechnungen: Außer den vier üblichen Grundrechenarten gibt es gerade mal noch die Prozentautomatik sowie eine Konstantenfunktion für alle vier Grundrechnenarten.

Addiert und subtrahiert wird mit der sogenannten kaufmännischen Rechenmethode, die sich an die umgekehrte polnische Notation (RPN) anlehnt: Um zwei Zahlen zu addieren, betätigt man auch nach der zweiten Zahl die "+"-Taste, also beispielsweise 2 + 3 + , um zum Ergebnis,in diesem Beispiel "5" zu kommen.
Analog funktioniert das Subtrahieren, wobei hier allerdings die erste Zahl mit einem nachfolgenden "+" eingetastet wird. Um also 5-2 zu rechnen, tippt man folgendes ein: 5 + 2 - , und das Ergebnis "3" erscheint.
Hätte man jetzt 5 - 2 = gerechnet, wäre die "2" stehengeblieben; bei der Eingabe 5 - 2 - , hätte man in Wirklichkeit (-5)-2 gerechnet, was "-7" zum Ergebnis hätte.

Aus heutiger Sicht mag diese Eingabelogik ziemlich verwirrend erscheinen, aber sie hatte ihren Ursprung in den vorher jahrzehnte lang aktuellen mechanischen Rechenmaschinen und war daher für Umsteiger gut geeignet.

Eine Wort noch zum Überlauf: Sobald ein Ergebnis den Anzeigerahmen von 8 Stellen sprengt, wird es zum Faktor 10^8 angezeigt und vorneweg ein "C" (bzw. ein "E" bei einem negativen Wert) gestellt.
Die Anzeige E1.2345678 steht also in Wahrheit für -1.2345678 * 10^8, also für eine Zahl zwischen -1234567890 und -1234567899. Die letzte (9.) Stelle fällt auf diese Weise weg und kann auch nicht wieder restauriert werden. Was aber möglich ist ist, daß durch Drücken von "CI" die Überlaufsperre entfernt wird, und man mit dem angezeigten Wert (gedanklich zu multiplizieren mit 10^8) weiterrechnen kann.

Zusammenfassung

Der Adler C 80 war 1975 ein zeitgemäßer Bürorechner, dessen Rechenfähigkeit und Eingabelogik noch sehr an die mechanischen Rechenmaschinen erinnern. Für Umsteiger war er deswegen ideal; für Neueinsteiger gab es jedoch geeignetere Taschenrechner, als diesen.

Wegen seiner ungewohnt soliden Bauweise und seines außergewöhnlich eleganten Designs ist der Adler C 80 eine Bereicherung für jede Sammlung.

Technische Daten

HerstellerAdler
Modell80 C
Baujahr1975
ProzessorNEC µPD943
Display8+1 digit VFD
Anzahl Tasten19
Funktionen+ - * / %
Eingabelogik (KlassifizierungALG ((BCCC))
1 + 0.000 = 1.
0 / 0 = Error
Stromversorgung 4xAAA
Größe12,0 x 7,4 x 2,1 cm
Seriennummer67.503.267
ZustandA-B
Datenblatt


Links
Thimet.de: TA 80C, EC 21/21B (en) (Kurzbeschreibung)
Uni Greifswald: Adler 80 C (de) (Kurze Beschreibung des Adler 80 C)
Vintage Technology: Adler 80 C (en) (Sehr informative Beschreibung des 80 C)
www.teclas.org: Adler 80 C (Spanische Kurzbeschreibung)