Sperry Remington 663

Sperry Remington 663
Sperry Remington 663

1973 waren Taschenrechner noch recht teuere Geräte und nicht für die breite Masse erschwinglich. Einen Teil der hohen Kosten schob man auf die Displays, die damals noch keine Pfennigartikel waren. Aus dieser Not heraus wurden zahlreiche Ideen geboren, wie man die Produktions- und Verkaufskosten eines Taschenrechners verringern und dadurch den Absatz steigern konnte.

Eine dieser Lösungen war, bei der Anzeigeeinheit zu sparen und anstelle der gewohnten acht (plus eins für Minus/Error) Stellen nur noch sechs Stellen anzubieten. Die fehlenden Stellen sollten über eine Taste einblendbar sein.

Einer der Anbieter dieser doch recht verqueren Lösung war Sperry Remington, die 1973 mit dem Modell 663 einen Rechner mit sechs einzelnen Displayröhren und einfacher Ausstattung auf den Markt brachten.

Damals war dieser Art Rechner durchaus Erfolg beschienen, heute, nach über 30 Jahren wirken derartige Antiquitäten nur noch skurill und dürften kaum mehr in Gebrauch sein.

Gehäuse und Tastatur

Rückseitenansicht
Rückseitenansicht

Bei dem Sperry Remington 663 fallen zwei Dinge auf, wenn man ihn in Händen hält: Sein großes Gewicht und seine enorme Bauhöhe. Dementsprechend stabil ist auch das Plastikgehäuse gestaltet, das aus zwei Plastikhälften besteht, die mit einem deutlich sichtbaren Spalt zusammengehalten und von einer einzigen Schraube fixiert werden

Die obere Hälfte des Oberteils beherbergt das Display unter einer leicht getönten und angewinkelten Plastikscheibe und ist ansonsten mit einer Aluminiumplatte umhüllt, was dem Rechner einen sehr wertigen Eindruck gibt.

Die Tastatur besteht aus gerade einmal 18 druckpunktfreien Tasten, die einen recht langen Hubweg haben, aber dennoch in der Regel ohne Prellen arbeiten. Die auffallendste Taste ist hierbei sicherlich die "->"-Taste, mit der die sechs normalerweise unterdrückten Stellen angezeigt werden. Diese werden solange angezeigt, wie die Taste gedrückt ist.

Aufbau

Innenansicht
Innenansicht

Da sechs Anzeigeröhren und der technische Stand von 1973 noch einen relativ aufwändigen Aufbau verlangten, sind im Inneren des 663ers zwei Platinen (plus ein Tastaturmodul) verbaut, die über eine Reihe von Drähten miteinander verbunden sind:


im Inneren sind zwei Platinen verbaut
im Inneren sind zwei Platinen verbaut

Wie man unschwer erkennen kann, bedingt der Aufbau eine Menge an externen Bauelementen, wie diverse Widerstandsarrays, zahlreiche einzelne Widerstände und Kondensatoren, ein Treiber-IC, sowie die üblichen weiteren Bauelemente wie Hochspannungstrafo, sechs 1-Digit-Anzeigeröhren usw.

Für das Auge ist das ein Hochgenuß, und man kann sich gut vorstellen, daß das alles nicht unbedingt billig war, und trotzdem stellt sich die Frage, wie sich ausgerechnet der Verzicht auf zwei Displaystellen hier preismäßig besonders stark auswirken sollte. Aber das wird bei nährerer Betrachtung des Displays deutlich:

Display

Display-Aufbau
Display-Aufbau

Das Anzeigedisplay besteht aus sechs einzelnen Floureszenzröhren NEC LD8035E. Jede dieser Röhren besitzt 12 Anschlußdrähte für die 8 Segmente (das achte Segment ist die rechte Fortführung der "4", die hier aber, obwohl verlötet, ungenutzt ist), den Dezimalpunkt, sowie Heizdraht und Gitter.

Diese Art der Anzeige mit diskreten Röhren war eigentlich 1973 schon nicht mehr Stand der Technik, und man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, daß eine Reduktion der zu verlötenden Anschlüsse von 96 (8 Displaystellen) auf 72 (6 Displaystellen) in der Massen(hand)fertigung ein wichtiger Kostenfaktor ist. Alle Anzeigeröhren mußten zudem exakt identisch ausgerichtet und mit demselben Abstand versehen sein. Eine Heidenarbeit!

Typisch für Sperry Remington war, daß die Ziffer "0" nicht die gesamte Höhe der Anzeigeröhre ausmachte, sondern nur die untere Hälfte nutzte:


Anzeige der Ziffer 0
Anzeige der Ziffer 0

CPU

Im Sperry Remington 663 arbeitet eine CPU von NEC, und zwar die µPD177C. Da die CPU nicht alleine in der Lage ist, sämtliche Funktionen zu übernehmen, wird noch ein weiterer Chip von NEC eingesetzt, ein µPD129C.


Detailfoto: CPU
Detailfoto: CPU

Rechenleistung

Aufgrund des beschränkten Anzeigeplatzes und weil seinerzeit die Rechner-ICs noch am Anfang ihrer Entwicklung standen, ist die Rechenleistung recht bescheiden: Es kann ausschließlich mit den vier Grundrechenarten gerechnet werden, jegliche weiteren Funktionen fehlen.

Es wird die einfache direkt Eingabelogik verwendet, was bedeutet, daß sämtliche Rechenschritte ohne Zwischenspeicher direkt ausgeführt werden. Ein Rechenschritt ist entweder durch das Betätigen einer Operationstaste (+,-,* oder /) oder durch das Drücken von "=" beendet und führt unmittelbar zum Ergebnis, mit dem sofort weitergerechnet werden kann.

Sobald allerdings die Anzeigekapazität (999999) überschritten wird, kann zwar das Ergebnis noch mit der Pfeiltaste komplett ausgelesen werden, ein Weiterrechnen ist aber nicht mehr möglich. Interessanterweise können bei der Addition bei der zweiten Zahl nur noch so viele Nachkommastellen angegeben, wie im Display Platz haben. D.h, daß zur Zahl 999999 nur noch ein Wert ohne jede Nachkommastellen addiert werden kann, zu 99999 nur ein Wert mit einer Nachkommastelle, zu 9999 nur eine Zahl mit zwei Nachkommastellen usw.
Interessanterweise ist es aber andererseits möglich, erst einen Wert mit voller Nachkommastellenzahl einzugeben, und anschließend eine sechsstellige Zahl. 3.33333 + 999999 kann problemlos gerechnet werden und ergibt (unter Betätigung der Pfeiltaste) das richtige Ergebnis 1000002.33333.

Bei der Division können bis zu 10 Stellen nach dem Komma korrekt angezeigt werden, von denen allerdings nur diejenigen Stellen, die direkt im Display zu lesen sind, für weitere Berechnungen verwendet werden. So ergibt 1/7 zuerst den Wert 0.14285714285; wenn dieser Wert aber *10 genommen wird, so beträgt er nur noch 1.4285000000. Bei der Addition verringert sich auch die Zahl der Nachkommastellen. 1/7 ergibt zuerst den Wert 0.14285714285; wenn dazu dann 1 addiert wird, ergibt sich der Wert 1.1428571. Wäre statt 1 der Wert 10 addiert worden, so käme als Ergebnis 10.1428571 heraus. Offenbar wird bei der Addition mit maximal sieben Nachkommastellen gerechnet.


1/7, erster Teil
1/7, erster Teil


1/7, zweiter Teil
1/7, zweiter Teil

Die Division durch Null wird korrekt mit einem Fehler angezeigt. Hierbei erscheint sechsmal die Ziffer "0" und jeweils schwach leuchtend der Dezimalpunkt:


Fehleranzeige
Fehleranzeige

Die Addition von 1 + 0.000 führt zum fehlerhaft gerundeten Wert 1.000, und bei der Berechnung von (-1) + 1 bleibt am Ende die negative Null (-0) zurück.

Zusammenfassung

Der Sperry Remington 663 ist ein wunderschön skurriler, sehr altmodisch aufgebauter "Taschen"rechner, an dem man den Zwist zwischen genialer Ingenieurskunst und preislich nach unten orientierter Produktion sehen kann. Er war sozusagen zwischen allen Fronten, als es darum ging, den Taschenrechner um jeden Preis für Jedermann verfügbar zu machen.

Keine gute Sammlung sollte ohne so ein Exemplar auskommen!

Technische Daten

HerstellerSperry Remington
Modell663
Baujahr1973
ProzessorNEC µPD177
Display6x1 digit VFD
Anzahl Tasten18
Funktionen+ - * /
Eingabelogik (KlassifizierungALG (BGAA)
1 + 0.000 = 1.000 (Richtig wäre 1.)
0 / 0 = Error
(-1)+1 = -0 (Richtig wäre 0 gewesen)
Stromversorgung 4xAA
Stromverbrauch 0.6 W
Größe15.5 x 8.1 (8.4) x 4.1 cm
ZustandA-B
Datenblatt


Links
mycalcdb: Sperry Remington 663 (en) 
Sperry Rand Calculators (by Guy Ball) (en) (Ein paar Worte über die Geschichte von Sperry Remington)
Vintage Technology: Sperry Remington 663 Type I (en) (Sehr ausführliche Beschreibung)