Citizen Promaster Automatic

Citizen Promaster Automatic
Citizen Promaster Automatic
Will man sich heute eine mechanische Taucheruhr zulegen, so hat man die Qual der Wahl: Entweder man legt sich eine Uhr der Spitzenklasse zu, die man dann doch lieber nicht zum Wassersport verwendet, oder man greift zu den allgegenwärtigen Russen-Tauchern, die allerdings nur eingeschränkt praxistauglich sind. Dazwischen tummeln sich dann diverse (mehr oder weniger NoName-) ETA-2824-beseelte Uhren mit mehr oder weniger gleichen Gehäusen, Zifferblättern und Zeigern, und natürlich die japanischen Taucheruhren, von Seiko und Citizen.
Citizen stellt auch heute noch mechanische Uhren her, allerdings ist deren Anteil minimal und eine völlige Einstellung der Produktion mechanischer Uhren ist durchaus im Bereich des Möglichen. Dies ware besonders bedauerlich, da Citizen mit ihrer Kaliberfamilie 82xx wahrlich keine Vergleiche mit Schweizer Werken zu scheuen braucht.
Hersteller: Citizen
Gehäuse: Durchmesser: 42mm
Höhe: 12,5mm
Bandanstöße: 20mm
Wasserdichtheit: 200m
Uhrwerk: Citizen 8203 (hauseigen)
23Steine
Automatik
Funktionen: h,m,s,w,d
Herstellungsjahr: 1999
Preis: ~150 EUR
Datenblatt
An der Ernsthaftigkeit dieser Taucheruhr gibt es nichts zu zweifeln. Sie entspricht bis ins Detail dem, was man von einem solchen Instrument erwartet:
Einseitig verstellbarer, rastender Tauchzeitring mit Leuchtmarkierung, kontrastreiches Zifferblatt, Üppige Verwendung von Leuchtmasse, massives Edelstahlgehäuse und eine verschraubte Krone. Bei ihrer Position auf "8" zeigt sich, daß hier praktische Erfahrungen einflossen, da sie hier nicht nur optional schlaggeschützt ist, sondern sich auch nicht bei abgewinkeltem Handgelenk in den Handrücken bohrt.
Die Ablesbarkeit ist unter allen Bedingungen optimal. Tagsüber bietet das schwarze Blatt einen optimalen Kontrast zu den silber/grünem Zeigern, nachts sorgen die mit Leuchtmasse ausgelegten Zeiger und nicht verwechselbaren Indexe für eine optimale Zeitanzeige. Und selbst das praktische Datum mit Wochentag fügt sich unaufdringlich und farbrichtig in das Zifferblatt ein. Einzig die Zeiger müßten noch einen Tick länger sein - ein Problem das leider fast alle, auf dem Markt befindlichen Uhren betrifft.
Das plane Mineralglas ist Bruchteile eines Millimeters tiefer als der Tauchring eingepaßt und somit ideal gegen Beschädigungen und großflächige Stöße geschützt. Auch hier haben wohl wieder Erfahrungen aus der Praxis zu dieser optimalen Lösung geführt. State-of-the-art sind der verschraubte Edelstahlboden und das gewebeverstärkte, flexible Kautschukband.

Das Kautschukband ist allerdings nicht sonderlich haltbar - nach vier Jahren zeigte sich der erste Riß, der nach einem halben Jahr ohne Tragen dazu führte, daß das Armband beim Herausholen aus dem Schrank regelrecht in zwei Teile zerfiel. Gottseidank ist dieses Malheur nicht im Wasser passiert.
Sommer 1999+0.4sec/Tag
Frühjahr 2001+6.5sec/Tag
Sommer 2002+3.4sec/Tag
Sommer 2003+0.8sec/Tag
Sommer 2004+0.73sec/Tag
Sommer 2006+-0.0sec/Tag
Sommer 2010+2.0sec/Tag
Sommer 2011+12.3sec/Tag
Sommer 2012+4.9sec/Tag
Gangergebnisse
Das Werk ist ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes tadellos. Es gibt einfach nichts daran auszusetzen, es ist höchst zuverlässig, baut selbst bei geringen Bewegungen eine ausreichende Gangreserve auf, und läuft so genau, wie man es eigentlich erst von wesentlich teureren Uhren erwarten würde. Vor dem obligatorischen Gangeinbruch lieft die fabrikneue Uhr mit sage und schreibe 0,4 Sekunden Vorgang bei Tag, nach drei Monaten driftete sie ein wenig ins Minus und wurde reguliert. Der eher starke Vorgang im Frühjahr 2001 kommt genau von dieser Regulierung - auf eine weitere Justierung wurde verzichtet, da bei jedem Öffnen des Gehäuses die Gefahr besteht, daß die Wasserdichtigkeit leiden könnte.
Erst im Jahr 2007 war eine weitere Regulierung fällig, da die Promaster etliche Sekunden im Minus lief. Da jeder Öffnungsvorgang des Gehäuses ein Risiko für die Wasserdichtheit darstellt, beließ ich es bei einem einmaligen Nachregulieren, das jetzt zwar für einen recht großen Vorgang (über 10 Sekunden pro Tag) sorgt, mir aber deutlich lieber ist, als ein Nachgang, oder eine nicht wasserdichte Uhr. Wasserdicht ist sie jedenfalls definitiv noch, davon konnte ich mich in unzähligen Freibadbesuchen überzeugen.
Das Kaliber 8203 stammt aus der citizen-eigenen Fabrik Miyota und bildet, wenn man Gerüchten glauben darf, wohl den krönenden Abschluß der Mechanik-ära bei Citizen. Konstruktiv sorgt ein einseitiger Rotoraufzug, wahlweise auch ein händischer Aufzug über die losgeschraubte Krone, für die notwendige Kraft, die durch ein 23-steiniges Werk mit indirekter Zentralsekunde an das Zeigerwerk abgegeben wird. Die Gangreserve liegt bei weit über 36 Stunden, so daß die Uhr auch an einem Schlechtwettertag mal liegenbleiben kann.
Das Werk ist durch einen stoßabsorbierenden Plastik-Werkhaltering im Gehäuse zentriert. Dies ist zwar keine schöne Lösung, bietet aber in einer Sportuhr handfeste Vorteile gegenüber einer starren Werkverschraubung.

Zusammenfassend ist zu sagen, daß Citizen mit der Promaster Automatic eine in jeder Hinsicht perfekte Uhr im Programm hat. Ein hauseigenes Werk, ein perfekt verarbeitetes Gehäuse, eine höchst praxisgerechte Ausstattung, und all das zu einem Preis, der jedem Schweizer Hersteller Tränen in die Augen treibt - das soll Citizen erstmal jemand nachmachen.

Links
uhrentick - Review Citizen Promaster Automatic (de) (8807 Hits) (Unter "Uhrentest" gibt es einen sehr detaillierten Testbericht)